Rückstoßlader ist ein Antriebsart einer automatischen Feuerwaffe. Dabei wird der durch die Geschossabgabe erzeugte Rückstoßimpuls genutzt, um den Ladevorgang einzuleiten[1]. Damit gehören sie zur Gruppe der Impulslader.

Rückstoßlader mit beweglichen Läufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Rohrschlaglader sind Rückstoßlader, die für ihre automatische Funktion den Rückstoßimpuls nutzen, welche auf das Rohr, beziehungsweise den Lauf, der Waffe einwirkt. Dazu sind die Läufe beweglich gegen das Gehäuse gelagert.

kurz zurückgeleitender Lauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik kurzer Rücklauf

Die am häufigsten anzutreffende Form des Rückstoßladers ist die mit kurz zurückgeleitendem Lauf. Im schussbereitem Zustand sind Lauf und Verschluss formschlüssig mit einander verriegelt. Wenn das Geschoss durch den Lauf getrieben wird, wirkt der Rückstoßimpuls gemäß des dritten newtonschen Gesetzes auf den Lauf, welcher zusammen mit dem Verschluss gegen das Waffengehäuse einer Langwaffe oder das Griffstück einer Pistole zurückläuft. Nach einer kurzen Strecke trifft das Verriegelungselement, welches Lauf und Verschluss zusammen hält, auf das meist Gehäusefeste Entriegelungselement. Der Lauf wird dabei gestoppt und überträgt Teile seiner Rücklaufenergie auf den Verschluss, welche die Patronenhülse auszieht und auswirft. Hat der Verschluss seine hinterste Position erreicht, übernimmt die beim Rücklauf gespannte Schließfeder das zuführen einer frischen Patrone aus dem Magazin der Waffe. Je nach Modell wartet der Lauf auf den Verschluss oder kehr direkt nach seinen kurzen Rücklauf, unter der Kraft einer eigenen Rückhohlfeder, in seine Ursprungsposition zurück. Glock 17

lang zurückgeleitender Lauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik langer Rücklauf

Eine eher seltene, wenn auch nicht unübliche Erscheinung ist der lang zurückgeleitende Lauf. Im schussbreiten Zustand sind Lauf und Verschluss formschlüssig mit ein ander verriegelt. Wenn das Geschoss durch den Lauf getrieben wird, wirkt der Rückstoßimpuls gemäß des dritten newtonschen Gesetzes auf den Lauf, welcher zusammen mit dem Verschluss gegen das Waffengehäuse einer Langwaffe oder das Griffstück einer Pistole zurückläuft. Im Gegensatz zum kurzen Rücklauf, laufen Lauf und Verschluss gemeinsam die ganze Strecke zurück. Am Ende angekommen wird eine Laufsperre betätigt, welche es dem Lauf erlaubt in seine Ursprungsposition zurückzukehren, während der Verschluss in der hinteren Position gehalten wird. Dabei hält er mit seinem Auszieher die leere Patronenhülse fest, während das am Lauf befindliche Patronenlager flieht. Ist die Flucht komplett, wird die leere Hülse vom Auswerfer ausgeworfen. Eine neue Patrone kann die zwischen dem hinten gehaltenen Verschluss und dem zurückgekehrten Lauf nutzen um in Zuführposition zu gelangen. Ist der Lauf wieder in seiner Ursprungsposition angekommen, betätigt er dort die Verschlusssperre, worauf der Verschluss freigegeben wird und unter dem Druck der Schließfeder nach vorne fährt, dabei nimmt er die in Zuführposition befindliche Patrone mit und führt diese ins Patronenlager des Laufes ein. Browning Auto 5

Rückstoßlader mit zurückgeleitendem Waffengehäuse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Rückschlaglader sind Rückstoßlader, welche für ihre automatische Funktion den Rückstoßimpuls nutzen, welche auf das gesamte Waffengehäuse wirkt. Im Gegensatz zu den Rohrschlagladern sind die Läufe fest mit dem Gehäuse verbunden.

Rückstoß gegen bewegliche Kolbenplatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik bewegliche Kolbenplatte

Die älteste Form der Rückstoßlader mit festem Rohr sind Waffen bei denen theoretisch nicht das komplette Waffengehäuse zurückgestoßen wird. Der Schütze zieht eine bewegliche Kolbenplatte in seine Schulter, welche während des Rückstoßes in Richtung der Waffe gedrückt wird. Bricht der Schuss wird das Geschoss durch den Lauf getrieben, worauf der Rückstoßimpuls auf den Lauf wirkt, da der Lauf fest mit dem Waffengehäuse verbunden ist, überträgt sich der Impuls auf die Waffe. Dieser Impuls summiert sich zusammen mit dem Raketeneffekt zum Rückschlag und schiebt die Waffe in Richtung Schütze. Zwischen der Waffe und dem Schützen befindet sich jedoch eine bewegliche Kolbenplatte in welche sich die Waffe hineindrückt, die Kolbenplatte ist über ein Gestänge mit dem Verschlusssystem der Waffe verbunden. Das einfahren der Kolbenplattenstange führt in der Waffe zur Entriegelung des Verschlusses und führt zudem die Repetierfunktion aus, welche die leere Patronenhülse entfernt. Da die Waffe eine gewisse Masseträgheit ausweist und die Mechanik mit einer entsprechenden Unterstellstrecke ausgestattet ist, geschieht die Öffnung des Verschlusses erst, wenn das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat. Unter dem Druck der Kolbenplattenrückhohlfeder schließt sich der Verschluss wieder und führt dabei eine frische Patrone in das Patronenlager der Waffe ein. Der Nachteil dieses Systems ist die Anschlagsfühligkeit, wird die Waffe zu zarghaft in die Schulter eingezogen oder aus dem Hüftanschlag geschossen, repetiert sie Waffe nicht.

Beharrendes Entriegelungs-Element[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik beharrendes Element

Rückstoßlader mit beharrendem Entriegelungselement werfen das komplette Waffengehäuse zurück, dabei bleibt jedoch ein Element an seinem Platz, welches die Entriegelung des Verschlusses übernimmt. Bricht der Schuss wird das Geschoss durch den Lauf getrieben, worauf der Rückstoßimpuls auf den Lauf wirkt, da der Lauf fest mit dem Waffengehäuse verbunden ist, überträgt sich der Impuls auf die Waffe. Dieser Impuls summiert sich zusammen mit dem Raketeneffekt zum Rückschlag und schiebt die Waffe in Richtung Schütze. Dabei bleibt jedoch ein einziges beweglich gelagertes Element an seinem Platz. Im Gegensatz zu einem Gasdrucklader bewirkt es die Entriegelung nicht durch seine eigene Bewegung, sondern dadurch dass sich der Verschluss, zusammen mit dem Rest der Waffe, bewegt und das Entriegelungselement durch sein Beharrungsvermögen an seinem Platz bleibt. Ist der Verschluss entriegelt übernimmt meist des Restgasdruck im Lauf das Auswerfen der Patrone sowie den Rest des Verschlussrücklaufes. Die Aufgabe des beharrenden Elementes ist es meist lediglich die Öffnung des Verschlusses solange zu verzögern, bis das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat. Rückstoßlader mit beharrendem Element sind ebenfalls sehr anschlagsfühlig, im Gegensatz zu Modellen mit beweglicher Kolbenplatte, darf der Anschlag nicht zu hart ausfallen. Wird die Waffe in eine Lafette gespannt oder der Kolben beim Abfeuern gegen eine Wand oder den Boden gepresst, kann keine Entriegelung stattfinden, da der Verschluss sich so nicht weit genug gegen das beharrende Element bewegt. Mauser M1916

Beharrender Verschlussträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik beharrender Verschlussträger

Rückstoßlader mir beharrendem Verschlussträger, laden mit Hilfe einer beharrenden Verschlussmasse eine besonders starke Feder auf, welche ihre Kraft verzögert wieder freigibt, um die Waffe zu entriegeln und den Repetiervorgang durchzuführen. Bricht der Schuss wird das Geschoss durch den Lauf getrieben, worauf der Rückstoßimpuls auf den Lauf wirkt, da der Lauf fest mit dem Waffengehäuse verbunden ist, überträgt sich der Impuls auf die Waffe. Dieser Impuls summiert sich zusammen mit dem Raketeneffekt zum Rückschlag und schiebt die Waffe in Richtung Schütze. Dabei bleibt jedoch der Verschlussträger an seinem Platz und wird dabei gegen eine besonders starke Feder gepresst, welche am Verschlusskopf befestigt ist. Die Energie des Rückschlages ist zwar häftig, nimmt aber schnell auch wieder ab. Dabei wird irgendwann ein Punkt erreicht, an dem die Kraft der komprimierten Feder zwischen Verschlussträger und Verschlusskopf größer ist als die des Rückschlages. Die jetzt schnell und heftig expandierende Feder zwischen Verschlussträger und Verschlusskopf wirkt ähnlich wie das in einen AR-15 Verschluss eingeleitete Gas. Durch das auseinander drücken von Träger und Kopf wird die Entriegelung eingeleitet und sogar der Verschlussrücklauf bewältigt. Dabei wirkt die Rücklaufkraft linear nach hinten, ohne ein Trägerverkanten wie bei indirekten Gasdruckladern zu verursachen. Waffen mit beharrendem Verschlussträger sind ebenfalls recht Anschlagsfühlig uns dürfen nicht zu starr gehalten werden. Beispiel Benelli M3

Nachlaufendes Entriegelungs-Element[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik nachlaufendes Entriegelungselement

Rückstoßlader mit nachlaufendem Entriegelungselement, bewegen die ganze Waffe mit allen Teilen zurück. Kommt das Waffengehäuse zum halten, bewegt sich jedoch ein einziges Teil weiter und leitet die Entriegelung ein. Bricht der Schuss wird das Geschoss durch den Lauf getrieben, worauf der Rückstoßimpuls auf den Lauf wirkt, da der Lauf fest mit dem Waffengehäuse verbunden ist, überträgt sich der Impuls auf die Waffe. Dieser Impuls summiert sich zusammen mit dem Raketeneffekt zum Rückschlag und schiebt die Waffe in Richtung Schütze. Dabei bewegen sich alle wichtigen Teile mit, es existieren also keine vorsätzlich beharrenden Teile in der Waffe. Im Gegensatz zu Waffen mit beharrenden Elementen entriegeln Waffen mit nachlaufenden Elemente später und damit kälter. Diese geschient sobald die Waffe nach dem abklingen des Rückschlages zur Ruhe kommt. Dabei wird beinahe die komplette Waffe angehalten, bis auf das entriegelnde Element. Dieses behält seinen Bewegungsmoment bei und läuft weiter im Gehäuse zurück. bei diesem Lauf betätigt es die die Entriegelungsmechanik der Waffe und entriegelt den Verschluss. Meist ist jedoch das Entriegelungselement nicht stark genug, um auch noch den Verschlussrücklauf zu bewerkstelligen und so wird oft der Restgasdruck im Lauf zu Hilfe genommen. Dies führt dazu, das Waffen mit diesem System sehr Anschlagsfühlig sind. Wird die Waffe zu zaghaft Angeschlagen oder aus der Hüfte abgefeuert kommt die Waffe zu spät zum halten und der Gasdruck im Lauf reicht nicht mehr aus um den Verschluss zu bewegen, zu jenem Zeitpunkt an dem die Entriegelung stattfindet.

Nachlaufender Verschlussträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinematik nachlaufender Verschlussträger

Rückstoßlader mit nachlaufendem Verschlussträger, bewegen die ganze Waffe mit allen Teilen zurück. Kommt das Waffengehäuse zum halten, bewegt sich der Verschlussträger weiter nach hinten und leitet dabei die Entriegelung des Verschlusskopfes ein. Bricht der Schuss wird das Geschoss durch den Lauf getrieben, worauf der Rückstoßimpuls auf den Lauf wirkt, da der Lauf fest mit dem Waffengehäuse verbunden ist, überträgt sich der Impuls auf die Waffe. Dieser Impuls summiert sich zusammen mit dem Raketeneffekt zum Rückschlag und schiebt die Waffe in Richtung Schütze. Dabei bewegen sich alle wichtigen Teile mit, es existieren also keine vorsätzlich beharrenden Teile in der Waffe. Kommt die Waffe an der Schulter des Schützen zum halten, werden die meisten Teile innerhalb der Waffe gestoppt. Lediglich der Verschlussträger bleibt weiter frei beweglich, zudem wird auf diesen ein Teil der Rückschlagenergie übertragen. Dabei bewegt er sich relativ zum Rest der Waffe weiter zurück, wobei er die Entriegelung des Verschlusskopfes vornimmt. Ähnlich dem durch Gasdruck angetriebenen Verschlussträgers eines Gasdruckladers. Meist reicht das auf den Verschlussträger übertragene Moment aus um den Verschluss komplett zu öffnen, wobei die leere Patronenhülse aus dem Patronenlager entfernt wird. Teilweise als unangenehm wird empfunden, dass der Verschluss am Ende seines Rücklaufes bei manchen Modellen kurz zum stehen kommt, bevor sein Moment soweit abgenommen hat, das die Kraft der Schließfeder dieses überwiegt und den Verschluss wieder in die forderte Position bringe kann. Modelle mit nachlaufendem Verschlussträger sind etwas weniger anschlagsfühlig als jene mit nachlaufendem Entriegelungselement, was zu zage Handhabung angeht. Auf der anderen Seite sind sie jedoch sehr anfällig für zu starren Anschlag, da dieser dazu führen kann, dass der Verschlussträger zu wenig Momentum aufbauen kann, um seinen eigenen Rücklauf zu bewältigen[2]. Beispiel: Sjörgen (Flinte)

Besonders Pistolen arbeiten als Rückstoßlader.

Rückstoßlader werden oft mit Rückdruckladern verwechselt. Der Unterschied besteht darin, dass diese den Rückgasdruck im Lauf für den Ladevorgang verwenden und nicht den Rückstoßimpuls.

Unterschied zum Rückdruckladern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum Rückdruckladern verwendet der Rückstoßlader nicht die, sich um Lauf aufstauende, Gasdrucksäule, sondern den Bewegungsimpuls des Geschosses. Dadurch ergeben sich in einigen Punkten wichtige Unterschiede in Theorie und Praxis.

Rückdruck Rückstoß
Physikalisch Pneumatik ähnlich Impuls
Verbindungen Kraftschlüssig Formschlüssig
Kraft Einwirkung Stoßboden, Verschluss Lauf, Gehäuse
Verriegelung frei oder halbstarr starr
Entriegelung Selbstentriegelung Zwangsentriegelung
Verschlussbewegung Frei oder Verlangsamt Verzögert
Auszug selbstständig nicht selbstständig
Manövergerät benötigt Manövergerät benötigt Rückstoßverstärker
Schalldämpfer führt zu Überfunktion führt zu Unterfunktion

Physikalisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Sicht der Physik arbeiten Rückdrucklader mit einer Form der Pneumatik, da sich im inneren des Laufes eine Gasdrucksäule bildet, welche zum einen das Geschoss durch den Lauf treibt und zum anderen den Stoßboden nach hinten. Rückstoßlader hingegen arbeiten nach dem Prinzip des Bewegungsimpulses. Beide System verwenden also Kräfte aus unterschiedlichen Teilbereichen der Physik.

Verbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Sicht der Ingenieurwissenschaft sind Rückdrucklader per Kraftschluss verriegelt, dies bedeutet dass der Verschluss durch eine Kraft geschlossen gehalten wird, welche überwunden werden muss, bevor sich der Verschluss komplett offenen kann. Rückstoßlader hingegen sind per Formschluss verriegelt, dies bedeutet, dass eine Form gelöst werden muss, bevor sich der Verschluss öffnen kann. Beide Systeme sind also nach verschiedenen technischen Verbindungsmöglichkeiten Verriegelt[3].

Krafteinwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Kräften, welche beim Bruch des Schusses frei werden, nutzt der Rückdrucklader die Kraft der Gasdrucksäule im Lauf, welche über die Patronenhülse auf den Stoßboden des Verschlusses wirkt. Der Rückstoßlader hingegen nutzt den Rückstoßimpuls, welcher durch die Beschleunigung des Geschosses entsteht und auf den Lauf wirkt. Bei beiden Systemen greift eine andere Kraft an einer anderen Stelle an[4].

Verriegelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückdrucklader können zwei verschiedene Arten der Verriegelung aufweisen. Erstens die freie oder keine Verriegelung, hier wird der Verschluss lediglich durch seine Masse und die Kraft der Verschlussfeder an einer zu frühen Öffnung gehindert. Zweitens die halbstarre Verriegelung, hier sorgen zusätzliche Elemente wie Rollen oder Hebel für eine Verlangsamung der Öffnungsbewegung. Die Verriegelung von Rückstoßladern hingegen ist starr, die Entriegelung kann erst nach dem lösen dieser Verbindung beginnen[5].

Entriegelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entriegelung passiert bei Rückdruckladern selbstständig, der Verschluss ist selbst in der Lage sich unter dem Druck der Pulvergase im Lauf zu öffnen. Bei zweiteiligen Verschlüssen, treibt der Verschlusskopf den Verschlussträger an. Rückstoßlader hingegen werden zwangsentriegelt. Beim zurückgeleiten der Funktionselemente wird die Entriegelung des Verschlusses durch äußere Elemente wie Steuerkurven oder Kulissen meist im Gehäuse erzwungen. Der Verschluss treibt dabei meist den Verschluss an. Beide Systeme entriegeln nach unterschiedlichen Prinzipien[6].

Verschlussbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bewegungsablauf des Verschlusses eines Rückdruckladers ist entweder frei oder verlangsamt. Dabei bedeutet frei, dass der Verschluss sofort nach dem Eintritt des Geschosses in den Übergangskegel mit der Rücklaufbewegung beginnt. Dabei wird er nur von seiner Masseträgheit und dem Widerstand der Verschlussfeder daran gehindert, die Sicherheitsstrecke zu überschreiten. Verlangsamt bedeutet, dass der Verschluss zwar ebenfalls quasi sofort mit der Rücklaufbewegung beginnt aber von einem Element wie einer Rolle oder einem Hebel abgebremst wird, so kann das überschreiten der Sicherheitsstrecke bei geringerem Verschlussgewicht verhindert werden kann. Rückstoßlader hingegen haben einen sogenannten verzögerten Bewegungsablauf. Nach dem brechen des Schusses findet erstmal keinerlei Öffnungsbewegung statt. Erst nachdem es zur Entriegelung gekommen ist, kann sich der Verschluss öffnen[7].

Auszug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da bei Rückdruckladern ohnehin die Gassäule im Lauf über die Patronenhülse auf den Stoßboden des Verschlusses drückt, wird die Patronenhülse auch von diesen Gasen aus dem Patronenlager heraus gerückt. Der Auszug der Patronenhülse aus dem Patronenlager gescheit bei Rückdruckladern selbstständig. Eine Auszieherkralle benötigen Rückdrucklader nur, um nicht verschossene Patronen durch betätigen des Ladehebels aus dem Patronenlager zu entfernen. Reine Rückstoßlader hingegen benötigen eine Auszieherkralle, da Gasdrucksläule im Lauf meist nach dem Entriegeln nicht mehr stark genug ist, um die Hülse aus dem Patronenlager zu entfernen. Das Ausziehen gescheit dabei durch die Rücklaufkraft des Verschlusses, welcher vom Rückstoß über den Lauf oder das bewegliche Gehäuse angetrieben wurde.

Manövergerät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möchte man einen Rückdrucklader mit Platzbatronen betreiben, muss man lediglich ein Manöverpatronengerät am Ende des Laufes anbringen. Dieses verengt die Mündung so stark, dass trotz des fehlendes Geschosses die Drucksäule im Lauf genug Druck hat, um den Verschluss nach hinten zu drücken. Bei Rückstoßladern gestaltet sich das Ganze ungleich schwieriger, denn ohne ein Geschoss fehlt der für die Funktion wichtige Bewegungsimpuls. Die einzige Möglichkeit ist das Anbringen eines sogenannten Rückstoßverstärkers dieser wird nicht am Laufende, sondern am Waffengehäuse angebracht und ragt von da aus vor das Ende des beweglichen Laufes. Die aus der Mündung austretenden Pulvergase der Platzpatrone fangen sich im Rückstoßverstärker und drücken dort den Lauf gegen das Waffengehäuse nach hinten. Für Rückstoßlader mit zurückgleitendem Waffengehäuse gibt es bis heute keine funktionierenden Manövergeräte[8].

Schalldämpfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Rückdruckladern reicht die Zapfstrecke genau vom Übergangskegel bis zur Laufmündung. Während das Geschoss diese Strecke passiert, kann der Gasdruck im Lauf für die Waffenfunktion genutzt werden. Verlässt das Geschoss den Lauf der Waffe, kommt es zu einem plötzlichen Druckabfall im Lauf und der Druck im Inneren kann nicht mehr für die Waffenfunktion benutzt werden. Aus diesem Grund sind die Verschlüsse von Rückdruckladern genau für diese Zeit Druck Kombination kalibriert. Setzt man nun einen Schalldämpfer an das Laufende, so verlängert sich die Zapfstrecke und der Druck im Lauf fällt nicht dann ab, wenn das Geschoss den Die Mündung verlässt, sondern wenn das Geschoss den Schalldämpfer verlässt. Die Drucksäule im Lauf wirkt also länger auf den Verschluss ein. Es kommt zu einer Überfunktion des Rückdruckladers und so zu einer erhöhten Rücklaufgeschwindigkeit des Verschlusses und einer höheren Feuergeschwindigkeit. Um dies zu verhindern, werden oft schwächere Verschlussfedern eingesetzt oder bei halbstarren Verschlüssen anderen Übersetzungsverhältnisse geschaffen. Rückstoßlader mit beweglichen Läufen sind so kalibriert, das der Rückstoßimpuls in der Lage ist Lauf und Verschluss weit genug nach hinten zu werfen, dass es zur Entriegelung und dem vollständigen Rücklauf des Verschlusses kommen kann. Bringt man jetzt einen Schalldämpfer am Ende des Laufes an, erhöht man dessen Masse. Dies hat zur Folge, dass der Impuls jetzt zudem das Gewicht des Schalldämpfers bewegen muss. Im Gegensatz zum Rückdrucklader kommt es beim Rückstoßlader zu einer Unterfunktion, die Rücklaufgeschwindigkeit vom Verschluss sinkt, was die Zuverlässigkeit der Waffe reduziert. Um dem Problem entgegen zu wirken, benötigt man sogenannte Schalldämpfer-Masseentkoppler, diese werden durch einen Gaskolben im inneren des Schalldämpfers nach vorne beworfen und so von der Masse des Laufes abgezogen.

Mischformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Rückstoßlader entriegeln zwar angetrieben durch den Rückstoßimpuls aber tun die so früh, dass der Gasdruck im lauf noch stark genug ist, um beim zurücktreiben des Verschlusses und dem ausziehen der Patrone zu helfen[9].

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker - ISDN 978-3-936632-972
  2. Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker - ISDN 978-3-936632-972
  3. Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker - ISDN 978-3-936632-972
  4. Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz: Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre von Wolfgang Pietzner - [ ISDN 3-930732-32-7]
  5. Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik (1912) von Robert Weisz - ISDN 978-1168358394
  6. Schusswaffen und wie sie funktionieren von Ian V. Hogg - ISDN 3-87943-788-2
  7. Sub-Machine Gun, The Development of Sub-Machine Guns and their Ammunition von Maxim Popenker & Anthony G. Williams - ISDN 978-1-84797-293-4
  8. Visier Special Ausgabe 68 P.38 & P1 Die Pistolenfamilie von Matthias S. Reckenwald - [ ISDN ]
  9. Visier Special Ausgabe 68 P.38 & P1 Die Pistolenfamilie von Matthias S. Reckenwald - [ ISDN ]

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückstoßlader_vs._Rückdrucklader,_Waffentechnik

Rückstoßlader vs. Rückdrucklader, Waffentechnik

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